Relaunch beim ZDF

„So viel Bild gab’s noch nie!“ titelt die Pressemitteilung des ZDF. Seit heute kann man sich ein Bild von der neuen Webseite machen. Bewegte Bilder kommen als Seitenelemente zum Einsatz, wohin man auch schaut. Alles in ein Accordion gepresst, einen radialen Hintergrund dahinter. Fertig ist die neue Webseite.

Was als Reduktion auf das Wesentlichen beschrieben wird, ist aus Benutzersicht katrastrophal. Navigationselemente funktionieren nicht, sind nicht greifbar. Die Struktur verschließt sich dem Betrachter.

Aber der Reihe nach. Die Seite beginnt mit einem Logo, daneben schließen sich die Spartenkanäle als Textlinks an. Dann gibt es einen Menübutton – und schließlich noch einen Suche in der farblich abgesetzten Kopfleiste. Darunter – wieder das ZDF- Logo. anschließend wiederholen sich hier auch noch einmal drei Spartenkanallogos. Vereinfachung und Vermeidung von Redundanz sehen hier schon anders aus.

Kommen wir nun zum Inhalt. „Empfehlungen“ heißt der Reiter. Darin eine horizontale Liste von Boxen mit Bild und Text. Wobei Bild hier in den meisten Fällen kein Bild ist, sondern ein Video inkl. einem Videoplayerinterface.

Unter dieser — ja, was ist es eigentlich? Ist es ein Mediaplayer oder eine Navigation? Es wird nicht klar — kommen weitere 4 Überschriften, die wie Empfehlung gesetzt sind. Erst mit Klick wird klar, dass es sich hier um ein Ziehharmonika-Inhaltselement handelt. Sicherlich gut, um Inhalte platzsparend aufzubereiten. Aber bei einem ausreichend großen Monitor kann dies, meiner Meinung nach, entfallen und die Inhalte können untereinander dargestellt werden. Vorteil von der Reduktion ist hier nur der konzentrierte Fokus auf ein Thema, bei gleichzeitigem Verlust der weiteren Themenübersicht.

heute.de bricht das Konzept

Alle Seiten kommen in einem einheitlichen Look daher. Fast. heute.de erlaubt sich hier eine vertikale Navigation — die Bilder kommen untereinander. Angelehnt an die stern.de-Seite, liegt der Fokus auf großen Bildern. Text rückt in den Hintergrund. Das Nachrichtencenter am Anfang der Seite ist so die einzige Möglichkeit sich einen Überblick über die News in der Welt zu machen. Ob dies in fünf Mitteilungen zu erreichen ist, ist sehr fraglich.

Keine Webtypografie

Der Weg, eine Schrift zu verwenden, die auf dem Rechner bereits vorhanden ist, ist sicherlich nicht schlecht. Man kann so davon ausgehen, dass alle Browser eine ähnliche Ansicht rendern. Dennoch ist es schade, dass keine moderne Webfont zum Einsatz kommt, die an vielen Stellen sicherlich zu einer besseren Wahrnehmung der Seite führen würde.

Große Monitorezdf.de mit viel Grau

… bekommen viel grau zu sehen. Warum sich die Größe der Elemente nicht an den Monitor anpasst? Warum das Konzept der „großen“ Bilder nur auf ein paar Pixel beschränkt bleibt?

Kleine Monitore

… bekommen das gleiche wie große Monitore. Nur hier entfällt der große Grauanteil. Wenn man einen kleinen Monitor nutzt, dann muss man trotzdem die großen Bild/Video Flächen über sich ergehen lassen. Es gibt für Smartphones laut Pressemeldung eine Subdomain. Aber keine Browserweiche checkt, ob es ein mobiles Endgrät ist. Man muss die URL kennen (m.zdf.de). Dann bekommt man eine, für mobile Endgeräte optimierte Seite ausgeliefert (sie sieht anders aus, aber ob dies optimiert ist, lasse ich einmal ungeprüft). Aber auch dann bekommt man Textlinks ausgeliefert, die nur für ganz spitze Fingernägel etwas sind. Pfeil-Icons sind merkwürdig groß dargestellt.

Tablets

… waren eigentlich im Fokus laut der Pressemeldung. Aber mit dem iPad lässt sich die Seite nicht bedienen. Bei Klick auf einen der Pfeile, startet das dort drunterliegende Video und kein Navigationsevent wird ausgelöst. Auch eine Swipe-Geste (Wischen) wird nicht unterstützt. Schade, da dies bei jQuery, dass auf der Seite als Javascriptframework verwendet wird, möglich wäre.

Wurde die Anwendung jemals auf einem Tablett getestet? Apple empfiehlt eine mindest Klickfläche von 44×44 Pixeln. Die Navigationslinks im Footer haben eine Höhe von 22px. Also gerade einmal die Hälfte.

Wenn das iPad aus dem Landscape in den Portraitmodus gedreht wird, wird der Inhalt abgeschnitten. Auch ein Reload oder ein Einzoomen hilft nicht. Der Inhalt ist so nicht erreichbar.

Optimierungsbedarf

zdf.de mit Google Pagespeed

 

  •  auskommentierter Code in der Ausgabe
  • 18 CSS-Dokumente werden an alle Browser ausgeliefert.
  • 36 Anfragen werden mit einer Javascriptdateien beantwortet
  • alle Bilder heißen data.jpg
  • keinerlei Einsatz von Sprites.
  • etc.
Die Liste lässt sich noch deutlich erweitern. Auch ein kostenloser (!) Speedtest von Google eröffnet Erstaunliches.
The page ZDF.de – Startseite – ZDF.de got an overall PageSpeed Score of 48 (out of 100).

Ein ausführliches Testen der Seite hätte viele dieser Punkte offenbart. Es ist eigentlich heutzutage üblich, auf möglichst verschiedenen Endgeräten zu Testen. Aber was alleine ein erster Blick mit dem iPad offenbart ist, dass hier definitiv nicht getestet wurde. Sonst wären diese eklatanten Fehler bereits aufgefallen und die Seite hätte so nicht online gehen können.

Fazit

Der groß angekündigte Relaunch ist ein Flop. Mehr noch, er ist blamabel für ein Unternehmen, was dermaßen viele GEZ-Gebühren einzieht. Es las sich in der Pressemeldung eher als Fortschritt. Was es nun ist, ist ein Rückschritt. Ich denke, da wird in Kürze noch viel nachgebessert werden müssen. Und wie Achim Schaffrinna schon schrieb:

Dementsprechend dürfte der Relaunch seine Wirkung auf Seiten von „Webmachern“ (Konzepter, Designer, Entwickler…) nicht verfehlen.

Ich denke nicht so. Webmacher sollten sich hieran kein Beispiel nehmen.