Gebrüder

In Venlo gibt es einen Publikumsmagneten mit einem sehr spannenden Marketingkonzept. Der Laden heißt 2 Brüder und zieht die deutschen Schnäppchenjäger magisch an. Warum ist das so? Wenn man den Laden einmal besucht, versteht man schnell, in welchenm Konsumstrudel man hier hineingerät.

Punkt 1: Marketing

In der gesamten Stadt kommen einem regelmäßig Menschen mit den Einkaufstaschen entgegen. Ansonsten habe ich keinerlei Werbemaßnahmen wahrgenommen. Also kaum sichtbares Marketing in der Stadt.

Punkt 2: Die Masse machts

Kaffee, Käse, Wurst in Massen. Der Laden beginnt mit einem Kaffeegroßhandel. Es werden palettenweise Kaffeepakete aufgefahren. 3-4 Meter hohe Regale, randvoll mit Kaffee in allen erdenklichen Sorten und Marken. Ich als kein Kaffeetrinker kann ich jetzt nicht so vergleichen, ob sich das Angebot dort lohnt. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, das es gleiche Preise sind, wie bei uns. Weiterer Trick: Man kann nicht in den Laden hineinblicken, sondern wird nur von Kaffee „geblendet“ bzw. abgelenkt. Der Konsument lädt sich hier also schon einmal den Wagen voll und weiß noch nicht, was evtl. für grandiose Angebote hinter der nächsten Ecke warten. Dann geht es an einer geschätz 10 Meter langen Wursttheke vorbei. Gegenüber stehen Kühltruhen mit den gleichen Produkten, bereits in Folie abgepackt. Wenig besonderes. Das gleiche gibt es auch noch einmal als Käsetheke, als Fischtheke und als Gebäcktheke. Die Käseauswahl hat mich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Auf deren Webseite wird dort mehr versprochen. Im Endeffekt ist es eine Selbstbedienungstheke mit bereits abgepackten Käsen.

Punkt 3: SEO

Eine Webseite mit einem bestimmten Keyword auf die Seite 1 bei Suchmaschinen zu platzieren ist bekanntlich nicht einfach. Wenn jedoch ein Supermarkt es schafft mit dem Keyword „Venlo“ mehrfach auf Seite 1 zu erscheinen (bei mir bis zu 3 mal), dann ist das schon herausragend. Dort würde man sicherlich zunächst einmal lokal wichtigere Ergebnisse erwarten. Museen z.B. oder touristische Informationen. Besser kann es also hier schon einmal nicht laufen.

Was komisch ist: Es gibt keinen direkten Kundenparkplatz. Man muss seine Einkäufe quer durch die Venloer Innenstadt transportieren. Man kann sich auch den Einkaufskorb gegen eine Gebühr „ausleihen“ und muss diesen dann später zurückbringen. Aber ein entspannter Einkauf ist das für mich sicherlich nicht.

Fazit: Wer vom Dorf kommt oder nur einen kleinen Supermarkt um die Ecke hat, für den ist dieser Laden sicherlich ein Paradies. Alle anderen sollten (gerade wenn diese aus Deutschland extra über die Grenze fahren) ruhig in einen herkömmlichen Supermarkt schauen. Dort gibt es die gleichen Produkte zu einem ähnlichen bis gleichen Preis. Parkplätze vor der Tür.

Fazit 2: Mit einem herausragenden Konzept kann ein Supermarkt auch gegen die großen Discounter bestehen. Es muss ein Konzept sein, was dem Konsumenten ein Einkaufserlebnis vermittelt. Und wie im Punkt SEO schon aufgezeigt muss auch das Internet bespielt werden, damit weiterhin Kunden in den Laden strömen und einkaufen. Am Ende des Einkaufs muss der Kunde eine innere Befriedigung haben und das Erlebnis mit nach Hause nehmen, dann sind auch der Preis und die fehlenden Komfortfunktionen egal.

Wir haben dort übrigens nur einen Kuhfleckenfla gekauft. Den gibt es bei uns nicht. Wer aus der Puddingsstadt kommt, weiß auch warum.  Übrigens, keine 100 Meter weiter war ein Wochenmarkt. Dort gab es u.a. 5 kg Spargel für 9 Euro. Das ist ein Schnäppchen.