Digitale Steinzeit

digitale-steinzeitIm Land der Dichter und Denker werden Innovationen vorrangetrieben. Die Vernetzung wird mit oberster Priorität betrieben. Wenn es hier um das erfassen und speichern von Daten geht, dann ist dies richtig. Wenn es um den Netzausbau geht, dann sieht es grottenschlecht in Deutschland aus.

Ich konnte in dieser Woche einige interessante Erfahrungen in der schönen Hauptstand Österreichs sammeln. Telefonieren, Internetnutzung, alles geht unter der Erde. Nicht ein paar Meter, sondern viele Meter tief unten drunter. Und der Knaller von dem ist: das ganze geht auch während der Fahrt. Unter der Erde wohlgemerkt. Dort wo in Deutschland nach 10 Metern Dunkelheit schon die Netzbalken auf dem Display verschwunden sind. Ohne Netz kann ich keine weitere News mehr lesen, kann ich keine weiteren sozialen Interaktionen vornehmen — oder wesentlich interessanter, ich kann keinen mobilen Einkäufe tätigen, die ja einen Mehrwert hätten.

Eine weitere Entdeckung: Es gibt an jeder Ecke kostenfreies WLan, es wird offensiv beworben, es wird genutzt.

Und schließlich bin ich richtig neidisch geworden: Internet hört hier für den Privathaushalt nicht bei 16, 50 oder 150MBit/s auf, sondern geht laut Werbung mit bis zu 250Mbit/s.

Warum das eigentlich nur Vorteile hat? Schnellere Internetleitung schlucken größere Webseiten, mehr Informationen, mehr Infortainment, mehr Daten generell. Shops werden schneller geladen, der Kunde ist schneller fertig mit dem Einkauf. Digitale Produkte sind sofort geladen etc. pp.

Eine weitere nette Anekdote aus dem mobilen digitalen Zeitalter. Die wienerlinien, das ist der örtliche Nahverkehr, haben eine App. Mit Echtzeitinformationen, mit Routenplanungsmöglichkeiten und vielem mehr. Also der ideale Einstieg um den öffentlichen Nahverkehr aktiv nutzen zu können. Das Schmankerl, so wie der Österreicher zu sagen pflegt: man kann dort auch direkt sei Ticket kaufen. Man braucht nur eine App um das alles zu machen. Ein gewaltiver Mehrwert. Könnten sich die Bielefelder Verkehrsbetriebe mal eine Scheibe von Abschneiden. Eine App mit Mehrwert wäre dann vermutlich auch der Druchbruch, um ein digitales Ticket zu etablieren.

Wien mag bei all diesem vielleicht eine besondere Rolle spielen, da Wien mehr als 1.7 Mio Einwohner hat und entsprechend auch besonders viele Nutzer angesprochen werden können. Aber was im großen Funktioniert, muss auch in einer kleinen Stadt wie Bielefeld funktionieren. Schnelles Internet, Zugang an alle Ecken, unter der Erde mag noch eine Besonderheit sein, und ich weiß auch nicht, ob die Hirnzellen nach einer Weile dann wie in einer Mikrowelle gar sind. Aber ich weiß, wenn in Wien schnelles Internet verfügbar ist, dann muss es das auch bei uns geben, ansonsten werden wir uns noch umschauen müssen, wie es andere zur richtigen Zeit gemacht haben und uns dann überholt haben.